Buchvorstellung - Veronika beschließt zu sterben

#147 Rezension

Veronika beschließt zu sterben

Paulo Coelho

Gelesen von: Ursula Illert
Spieldauer: 5 Stunden 33 Minuten
Version: ungekürzt
Verlag: Diogenes Verlag GmbH
Erscheinungsdatum: 01. Dezember 2014
Sprache: Deutsch 

Originaltitel: Veronika decide morrer
Originalsprache: Portugiesisch
Übersetzer: Maralde Meyer-Minnemann 

4 von 5 Sternen

Widmung des Autors: "Für St. T. de L., die, ohne daß ich es merkte, angefangen hatte, mir zu helfen"


Buchbeschreibung:
Die Geschichte einer unglücklichen jungen Frau, die sterben will und erst angesichts des Todes entdeckt, wie schön das Leben sein kann, wenn man darum kämpft und etwas riskiert. Ein wunderbares Buch über die Prise ›Verrücktheit‹, die es braucht, um den eigenen Lebenstraum Wirklichkeit werden zu lassen, und eine große Liebeserklärung an das Glück in jedem von uns.
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Ganz kopflos und ohne den Klappentext vorher zu lesen, habe ich dieses Hörbuch gekauft und mich ganz frei darauf eingelassen. Ich kenne vom Autor nur noch "Der Alchimist", ein Buch, das mich richtig verzaubert hatte.

Umso erstaunter war ich, als ich hörte, wo genau diese Geschichte spielt: In dem kleinen Slowenien, das tatsächlich kaum jemand kennt! Ich kenne es sehr gut, da ich als Kind viele, viele Jahre durch dieses Land durchgefahren bin, auf dem Weg nach Kroatien in den Sommerurlaub. Jedes Jahr der gleiche Weg, immer wieder durch die Hauptstadt Ljubljana, die Stadt, in der die Irrenanstalt "Villete" verortet ist, in die die Protagonistin Veronika nach ihrem gescheiterten Selbstmordversuch eingewiesen wird.

In Villete tummeln sich einige schräge Charaktere und nicht alle sind verrückt. Auch wenn man augenscheinlich zu wissen meint, wer die Normalen und wer die Verrückten sind, dreht sich dieses Bild, aufgrund von Informationen zu einigen Patienten, die der Autor durch Rückblenden einfließen lässt. Geschickt in die Gesamtgeschichte eingeflochten, lernt der Leser Veronika, Mari, Zedka und Eduard kennen. Vier Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen in dieser berüchtigten Irrenanstalt gelandet sind. Vier Menschen, so unterschiedlich wie das Leben selbst und doch verbindet sie eines: die Angst vor dem Leben, die Angst vor dem Glück, die Angst, man selbst zu sein, die Angst, anders zu sein. Ein jeder hat seinen eigenen "Lebensschmerz", das zeigt der Autor sehr deutlich. Damit zu leben und das größtmögliche Glück und die Liebe zu finden und einzufangen, das muss jeder lernen. Und manchmal braucht es ungewöhnliche Methoden...

Fasziniert verfolgte ich die Geschichte, auch wenn mir ab dem ersten Gespräch in der Klinik klar war, worauf es hinausläuft. Aus "Veronika beschließt zu sterben", wird Veronika beschließt zu Leben! Eine Frau, die ihr Leben leichtfertig weggeworfen hat, wird zum unmöglichsten Zeitpunkt klar, dass sie eigentlich leben und lieben möchte.

Insgesamt empfinde ich das Buch von Paulo Coelho als eine Ode an das Leben und an den Mensch als Individuum, was mir als Quintessenz sehr gut gefällt. Leider konnte mich die Spiritualität, die der Autor hier mit eingebunden hat, im Gegensatz zu "Der Alchimist", nicht erreichen und auch nicht überzeugen. Ein bisschen weniger wäre hier für meinen Geschmack sehr viel mehr gewesen! Die Absurdität, die sich durch die Irrenanstalt an sich, die fragwürdigen Heilmethoden des Anstaltsleiters Dr. Igor und seiner Pfleger, die Figuren im Buch und auch Veronikas sexueller Befreiung zieht, wird zusätzlich übertroffen durch die Fragestellungen zur Suche nach Gott, dem Glauben, den Religionen und dem Sinn des Lebens. Das war mir am Ende dann doch ein bisschen zu viel des Guten...  

Fazit:
Ein sehr interessantes Buch mit einer guten Portion Humor und Verrücktheit, die einem sein eigenes Leben einfach und schön vorkommen lässt. Eine feierliche Fürsprache für die eigene Stärke so zu sein, wie man ist, ohne sich einer Masse anpassen zu müssen. Das Leben ist lebenswert und die Liebe kann jederzeit zuschlagen, auch wenn man sie am tiefsten Punkt seines Lebens nicht erwartet.

 


© monerlS


 

Kommentare

  1. "... die Liebe kann jederzeit zuschlagen." - Was für ein Bild :-) Ich kenn von Coelho "Der Zahir" - ist schon Jahre her, dass ich es gelesen habe. Fand ich aber gut.

    Liebe Grüße, Anne

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    1. Liebe Anne,
      jetzt musste ich doch glatt laut loslachen, als ich deinen Kommentar gelesen habe! hahaha Ja, manchmal schlägt die Liebe zu und kann sogar erschlagen, nicht wahr! Ich werde jetzt tatsächlich mal darüber nachdenken, ob dieser Ausdruck hier passt oder ob ich ihn überarbeiten sollte...
      GlG vom monerl

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  2. Ein schönes Buch, das Lust auf das Leben macht. Wenngleich ich es als weniger spirituell als die anderen Coelhos in Erinnerung habe.
    Liebe Grüße
    Sabrina

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    1. Ich kenne bisher nur noch "Der Alchimist" und der ist ja noch spiritueller und für mich passt das dort auch ganz prima. Hier, bei Veronika, hätte ich es jetzt nicht wirklich gebraucht. Die Geschichte hätte prima auch ohne Gott usw. funktioniert. Aber es ist immer noch ein richtig tolles Buch. Nur zum "Herzensbuch" hat es nicht mehr gereicht...
      Welche Bücher hast du denn noch von Coelho gelesen?

      GlG, monerl

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    2. Ich muss gestehen, dass ich mich an die anderen jetzt gar nicht mehr sehr wirklich erinnern kann. Ich glaub der Alchemist war dabei und auch Brida.

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  3. Hallo monerl,

    ich habe das Buch vor langer, langer Zeit gelesen und es hat mich damals auch sehr beeindruckt. Coelho schreibt viele intensive Bücher. Der Alchemist hat mir gar nicht soo gut gefallen. Also er war nicht schlecht, aber andere fand ich besser. Elf Minuten fand ich zB beeindruckend, aber auch Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte.

    Liebe Grüße
    Lilly erdbeertörtchen

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    1. Hallo Lilly,

      ich habe das Gefühl, dass sich bei "Elf Minuten" die Geiter irgendwie scheiden. Ich lese entweder, dass das Buch gefallen hat oder dass es schlecht war. Deshalb habe ich mich noch nicht so richtig an dieses Buch getraut. Von den anderen Buch habe ich noch nichts gehört. Werde es mir mal anschauen. Danke für die Empfehlung!

      GlG vom monerl

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    2. Hallo Monerl,

      das kann ich mir vorstellen, dass sich bei dem Buch die Geister scheiden. Alleine wegen dem Thema SM schon. Eigentlich bin ich in der Hinsicht auch empfindlich, aber so wie er es geschrieben hat, fand ich es nur interessant.

      Liebe Grüße
      Lilly

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  4. Hallo monerl,

    ich habe Dich bei mir verlinkt: https://lillysjoeberg.blogspot.de/2017/08/klick-mich.html

    Liebe Grüße
    Lilly

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    1. Liebe Lilly,
      herzlichen Dank, das freut mich sehr! :-)
      GlG, monerl

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  5. Hallo monerl,
    mir gefällt das Setting in dem Buch. Irrenanstalten ... Orte, wo Menschen psychisch an ihre Grenzen gehen. Wer ist schon normal, wer ist irre, das ist oft die Frage.
    Deinen Beitrag hab ich auf meiner Wanderung durch die Welt der Bücherblogs verlinkt.
    Liebe Grüße
    Daniela

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    1. Liebe Daniela,
      ist es wieder soweit, es gibt eine neue Buchwanderung?! Ich werde gleich mal vorbeischauen. Danke für die Verlinkung! Ja, das Setting hat mich an dieser Geschichte auch sehr gereizt. Es gibt viel zu lernen in dieser Irrenanstalt. Ein sehr gutes Buch!
      GlG, monerl

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