Bücher und Hörbücher

LeseLISTE 2018

16. Januar 2018

Buchvorstellung - Stoner

#181 Rezension
#Vom SuB befreit


Stoner

John Williams
dtv
ISBN: 9783423143950
Sprache: Deutsch 

Originaltitel: Stoner
Originalsprache: amerikanisch
Übersetzer: Bernhard Robben

  
5 von 5 Sternen
© dtv





Widmung des Autors: "Dieses Buch ist meinen Freunden und früheren Kollegen am Fachbereich Englisch der Universität Missouri gewidmet. Sie werden ohne Weiteres erkennen, dass es sich hierbei um ein Werk der Fiktion handelt, dass keine der darin vorkommenden Personen noch lebende oder bereits gestorbene Vorbilder haben und dass kein Ereignis seinen Widerpart in jener Wirklichkeit findet, wie wir sie an der Universität Missouri kannten. Sie werden ebenfalls bemerken, dass ich mir mit der Universität Missouri gewisse Freiheiten sowohl in räumlich wie in historischer Hinsicht erlaubt habe, weshalb auch sie letztendlich ein fiktiver Ort ist."



Buchbeschreibung:

»Ich habe mich in ihn verliebt.« Anna Gavalda 

›Stoner‹ ist einer der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird – es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ.

Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahebringen zu wollen.

›Stoner‹ ist kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein.
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Eine nicht allzu dicke, dafür umso intensivere und eindringliche Geschichte! Ein so vielseitiger Roman in seiner Thematik, die man erst zum Schluss hin begreift. 

Der Protagonist William ist zu Anfang sehr sperrig. Erschien er mir auf eine bestimmte Art und Weise tumb und an sich und seiner Umwelt recht uninteressiert. In weiser Voraussicht wurde er von seinem Vater auf die Universität geschickt, damit er durch ein landwirtschaftliches Studium in die Lage versetzt wird den elterlichen Hof übernehmen zu können und ihn an die Erneuerungen und den Fortschritt der Landwirtschaft anzupassen, um dadurch für sich und seine Familie ein besseres Leben zu ermöglichen!

Doch das Studium der Landwirtschaft begeistert ihn kaum. Schicksalhaft kommt er mit der englischen Literatur in Berührung und schon ist es um ihn geschehen. Ein Feuer wird in ihm entfacht, das ab jetzt seinen Lebensinhalt formt und ihn zu einem vollständigen Menschen macht.

In Liebesdingen und Menschenkenntnis war William ebenso unbeholfen und naiv, sodass er sich quasi sehenden Auges in sein Eheunglück stürzt. Als Leser weiß man es besser, doch William gibt sich und seinem Leben eine Chance einen Weg einzuschlagen, der ihm und seinem Charakter nicht entspricht. Und so begleitet man einen eigentlich genügsamen Mann, der einerseits viel Liebe in sich trägt, sie aber nicht richtig herauslassen kann. Er ist viel zu einfach und unheldenhaft, und schafft es nicht aus seiner Haut herauszukommen. So muss er zusehen, wie er beruflich übergangen wird, wie die Frau an seiner Seite ihn nur erträgt und wie sein einziges Kind ihm entfremdet wird. Wie gelähmt lässt er sein Leben an sich vorbeiziehen und malträtiert den Leser damit bis aufs Höchste. 

Wer ist dieser William, der so ein schwieriger Held seiner eigenen Geschichte ist? Er ist wie so viele von uns, die keine hochtrabenden Ziele haben und einfach ein schönes, unkompliziertes und glückliches Leben führen wollen. Aber es wird William einfach nicht gegönnt. Und genau das ist der Punkt, der dem Leser so wehtut! Wir wollen für William und für uns viele Möglichkeiten im Leben, die das Leben lebenswert machen.

Das wundervolle an diesem Buch ist, dass es zeigt, dass das Leben kein Ponnyhof ist. Auch nicht für Protagonisten in ihren Geschichten.   

Zum Hörbuch:
Hin und wieder habe ich in das Hörbuch reingehört und war sofort von der Erzählerstimme Burghart Klaußners gefesselt! Er ließ William und sein Leben vor meinen Augen entstehen, sodass ich mich kaum aus der Geschichte lösen konnte. Seine gewisse Kühle in der Stimme, gibt diesen einfachen und distanzierten William Stoner sehr gut wieder. Absolute Hörempfehlung!

Fazit:
Diese Geschichte ist ein erzählerisches Meisterwerk! Ich begleitete gespannt, wie William stoisch seine Hochs und Tiefs ertrug und dabei für die Literatur brannte. Ein leidenschaftlicher Geist in einem leidenschaftslosen Leben, bis auf eine einzige Ausnahme. Doch wie das Leben eben so spielt... Absolute Leseempfehlung! 

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© monerlS