4. Februar 2018

Buchvorstellung - Olga

#186 Rezension


Olga 

Bernhard Schlink
Diogenes Verlag
ISBN: 9783257070156
Sprache: Deutsch 

Originaltitel: -
Originalsprache-
Übersetzer-
von 5 Sternen
© Diogenes Verlag



Widmung des Autors""




Buchbeschreibung:

Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheitern wird er mit der Realität konfrontiert – wie viele seines Volks und seiner Zeit. Die Frau bleibt ihm ihr Leben lang verbunden, in Gedanken, Briefen und einem großen Aufbegehren.
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Dieses Buch hat mich von Seite zu Seite immer mehr und mehr gefesselt! Dachte ich die ersten 70 Seiten noch, was haben denn alle mit diesem Buch, konnte ich es kurz vor Ende des ersten Teils nicht mehr aus der Hand legen. Und ab da habe ich alles an einem einzelnen Abend durchgelesen!

Der Autor führt die beiden Hauptfiguren Olga und Herbert sehr unaufgeregt und trocken ein. Wir begleiten sie von ihrer Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Trotz des unterschiedlichen Standes finden beide zueinander, weil sie im Vergleich zu anderen Kindern in ihrem Umfeld aus der Masse heraus stachen, anders waren und gerade deshalb gegenseitig auffielen. Herbert und seine Schwester Viktoria, Kinder eines Gutsbesitzers und Zuckerfabrikanten, waren von Olgas Andersartigkeit und Wissensdurst fasziniert.
"Herbert und Viktoria fanden die Neugier und Bewunderung, mit der Olga sich für ihre Welt interessierte, unwiderstehlich. Dass sie so schnell Freund mit ihr wurden, zeigte, wie einsam sie gewesen waren, obgleich sie es nicht gewusst hatten. (Seite 19f)
Olga,die sehr früh ihre Eltern verloren hatte, keinen Zugang zur Großmutter fand, zu der sie nach dem Tode ihrer Eltern ziehen musste, eignete sich das Wissen aus der Höheren Mädchenschule im Alleingang an. Durch ihren Ehrgeiz schaffte sie es aufs staatliche Lehrerinnenseminar und durfte danach als Lehrerin Kinder auf dem Dorfe unterrichten.
Herbert dagegen, dem alle Schulbildung offen stand, interessierte sich weniger für das elterliche Gut und die Geschäfte. Herbert suchte das Weite. Eine seltsame Sehnsucht gab es in ihm, die ihn stets unruhig werden ließ und ihn in und durch die ganze Welt trieb.

Zwei ungleiche Menschen, verschiedene Charaktere und doch zwei Seelen, die sich nicht suchten aber dennoch fanden und irgendwann verliebten; gegen alle Regeln und Wünsche der Familie.

Im ersten Drittel bettet Bernhard Schlink seine Geschichte historisch ein, formt seine Protagonisten, umreißt die Umstände und bildet den Grundstein für Olga und Herberts Liebe. Das alles wirkte weniger ergreifend auf mich. Ich nahm es an. Und dann, "Dann erklärte Deutschland Russland den Krieg" (Seite 100) und es machte -Knack- und die Geschichte fesselte mich! Und der bis zum zweiten Teil distanzierte Erzähler wird greifbar, er bekommt einen Namen und ein Gesicht. Ferdinand lässt uns nah an sich und seine Beziehung zu Olga heran. Wir bekommen einen anderen, einen gefühlvollen Einblick in Olgas Leben. Ein neuer Lebensabschnitt, eine neue Olga und ich hing an Ferdinands Lippen.

Der dritte und letzte Teil, bestehend aus Briefen, lässt den Leser noch tiefer in Olgas Gefühlswelt und Seele blicken. Ganz nah an ihr dran, die vielen Emotionen, Erklärungen, gespickt mit Hoffnung, Sehnsucht und Erkenntnis, gingen nicht einfach so an mir vorbei. Der Autor schafft es, der Geschichte weiterhin einen Spannungsbogen zu geben, bis hin zum Schluss. Obwohl ich schon eine Ahnung hatte, freute ich mich über die Bestätigung am Ende.

Dieses Buch, obwohl es viele historische Themen, wie bspw. den Völkermord an den Herero, den Ersten und auch den Zweiten Weltkrieg, erwähnt, reißt es diese Themen nur an und bleibt im Gesamten ziemlich minimalistisch. Aber für mich macht gerade diese Schlichtheit und Kurzfassung das Besondere am Buch aus. Es gibt keine Längen und auch kein Schwafeln. "Olga" passt genau in die Zeit, von der sie erzählt. Nichts ist beschönigt oder ausufernd. Immer genau auf den Punkt.

Fazit:
Ein besonderes und intensives Buch, das inhaltlich sowie sprachlich auf jeder Ebene punktet. Nicht ausschweifend und auch nicht zu kurz und mit Überraschungen aufwartet, die im Nachhinein logisch sind, die ich aber während des Lesens aus den Augen verloren hatte. Kunstvoll gelungen! Ein echtes Highlight in 2018! 


Weitere Rezensionen:

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© monerlS


Kommentare:

  1. Liebe Monerl,
    das freut mich sehr,dass auch dir das Buch so gut gefallen hat. Wie ich auf der Seite von Diogenes entnehmen konnte, liegt dieses Buch momentan auf dem ersten Platz. Bin neugierig, was du als nächstes lesen wirst. Über die Olga könnten wir uns intensiver austauschen, wenn wir uns treffen. Wenn es zeitlich passt.

    Schöne Grüße, Mira

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    1. Guten Morgen liebe Mira,
      ich kann nun sehr gut verstehen, warum das Buch so beliebt ist. Habe mittlerweile auch einige mittelmäßige und schlechte Bewertungen gelesen und kann die wiederum auch nachvollziehen. Entweder, es packt einen bei dem Buch oder es ist einem zu flach und zu oberflächlich. Ich finde, dem Autor ist etwas ganz Tolles gelungen. Ich habe hier noch sein Buch subben "Die Frau auf der Treppe". Kennst du das Buch? Nach "Olga" traue ich mich nicht so richtig ran...
      Sehr gerne können wir uns intensiver über "Olga" austauschen. Ich freue mich schon sehr darauf. Hoffe, wir kriegen bald mal einen Termin ausgemacht. :-)
      Liebst Grüße und einen schönen Start in die neue Woche wünsche ich dir!
      monerl

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  2. Liebe Monerl,

    vielen Dank für deine Rezension, die mich auf ein interessantes Buch aufmerksam macht, dass mir bisher noch nicht begegnet ist. Ich glaube es könnte etwas für mich sein, wenn nicht mein SuB wäre. Ich behalte es im Hinterkopf.

    Liebe Grüße

    Anja

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    1. Liebe Anja,
      ich kann dir das Buch wirklich ans Herz legen. Es ist auch schnell gelesen, gerade der dritte Teil, der ausschließlich aus Briefen besteht, die nicht allzu lang sind.
      Aber ich weiß, wie es dir geht. So viele tolle Bücher und so wenig Zeit...
      GlG, monerl

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  3. Liebe Monerl,
    da warst du ja schnell mit der Olga ;)
    Deine Leseerfahrung kann ich gut nachvollziehen. Mir ging es ähnlich. Es freut mich, dass der Roman dir auch so gut gefallen hat.
    GlG Tina

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    1. Liebe Tina,
      das stimmt! Im Sauseschritt hatte ich das Buch durch. Nach den ersten ca. 70 Seiten hatte ich eine Pause von ein paar Tagen eingelegt. Als ich dann weiterlas, gab es kein Halten mehr! Nur gut, dass es Abend war und die Kind schon schliefen. Ansonsten hätte ich echt ein Problem gehabt. ;-)
      Ich freue mich auch immer sehr, wenn bei solchen Büchern unsere Meinungen übereinstimmen!
      GlG, monerl

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