Bücher und Hörbücher

LeseLISTE 2018

11. April 2018

Buchvorstellung - Die Geschichte des Wassers

#210 Rezension
#Weltreise #Weltenbummler  
© btb Verlag

Widmung der Autorin"Für Jesper, Jens und Linus"

Buchbeschreibung:
Norwegen, 2017. Die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe begibt sich auf eine riskante Reise: Mit einem Segelboot versucht sie die französische Küste zu erreichen. An Bord eine Fracht, die das Schicksal des blauen Planeten verändern kann.

Frankreich, 2041. Eine große Dürre zwingt die Menschen Südeuropas zur Flucht in den Norden, es ist längst nicht genug Trinkwasser für alle da. Doch bei dem jungen Vater David und seiner Tochter Lou keimt Hoffnung auf, als sie in einem vertrockneten Garten ein uraltes Segelboot entdecken. Signes Segelboot.

Virtuos verknüpft Maja Lunde das Leben und Lieben der Menschen mit dem, woraus alles Leben gemacht ist: dem Wasser. Ihr neuer Roman ist eine Feier des Wassers in seiner elementaren Kraft und ergreifende Warnung vor seiner Endlichkeit.
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"Die Geschichte des Wassers" ist der zweite Teil des Klima-Qartetts, mit dem Maja Lunde auf unsere Erde und die mittlerweile eingetretene Klimaveränderung aufmerksam machen will. Während sich der erste Teil "Die Geschichte der Bienen" den kleinen Tierchen widmet, die dafür sorgen, dass die Blüten unserer lebensnotwendigen Pflanzen bestäubt werden und wir somit unsere Nahrungsgrundlage nicht verlieren, geht es dieses Mal um das lebensnotwendige Element Wasser

Ohne Wasser geht es nicht! Und wir Menschen scheinen das wohl noch nicht so ganz verinnerlicht zu haben, wenn man sieht und beobachtet, wie wir damit umgehen. Die Autorin nimmt das als Aufhänger für ihren Roman und reist mit uns nach Norwegen zu einem Gletscher, dessen Eis gerade als Luxusgut abgebaut und an Mega-Reiche als Cocktail-Eiswürfel verkauft werden soll. Signe, die damit keineswegs einverstanden ist, will dem Verantwortlichen, der das zugelassen und genehmigt hat, einen Strich durch die Rechnung machen. Magnus, ihre einstige Liebe. Sie will ihn mit den abgebauten Eisblöcken konfrontieren und zur Rede stellen und reist dafür mit ihrem Segelboot nach Frankfreich, wo sie ihn vermutet.

Im zweiten Handlungsstrang, der 24 Jahre in der Zukunft spielt, leben David und Lou und viele andere Menschen mit den katastrophalen Auswirkungen, die das Ergebnis des unverantwortlichen Handels von früher sind. Das Klima hat sich verändert. Es gibt eine unerträgliche Hitze, die kaum auszuhalten ist. Zudem regnet es nur noch selten bis mancherorts gar nicht. Menschen aus dem Süden, die zu Klimaflüchtlingen geworden sind, fliehen und versuchen die Wasserländer im Norden zu erreichen. Doch das ist gar nicht mehr so einfach.

Maja Lunde hat eine sehr gute Basis für ein grandioses Buch geschaffen. Leider hat sie das immense Potential dieses dystopischen Romans nicht ausgeschöpft. 

Lange, lange Zeit dümpelt die Geschichte so vor sich hin. Die beiden Handlungsstränge wechseln sich in relativ kurzen Kapiteln ab, sodass man als Leser das Gefühl hat, die Geschichte komme recht flott voran. Doch es benötigte 300 Seiten, bis es anfing spannend zu werden. Bis dahin lernen wir die Protagonisten kennen. Die Autorin lässt sich Zeit und stellt sie uns in in einer größeren Zeitspanne vor. Leider gelingt es ihr nicht, trotz der spürbar anwachsende Katastrophe, ihre Figuren sympathisch darzustellen. Ich konnte die Distanz zu Signe, Magnus, David und all den anderen nicht überwinden. Einzig Lou rührte an mir. Ein unschuldiges kleines Mädchen, dessen Leben sich innerhalb kurzer Zeit komplett verändert hat und dessen Zukunft nicht mehr sicher ist.
"Die Welt war von Menschen geleert, von Tieren, Insekten, Pflanzen. Bald würden auch die größten Bäume sterben, trotz ihrer tiefen Wurzeln. Niemand konnte hier überleben." (Seite 196)
Maja Lunde greift auf ihr Konzept, das sie bereits in ihrem Debüt verwendet hat, zurück. Beide Handlungsstränge laufen parallel, wobei die Vergangenheit eine direkte Auswirkung auf die Zukunft hat. Bildhaft beschreibt sie die Landschaft in Norwegen und den Zyklus des Wassers, von den Wolken zum Regen, zum Schnee und Eis auf dem Gletscher, die Gletscherschmelze und das Wasser, das wieder zurück in die Meere flließt und teilweise verdampft. Es ist unser Lebenselexier und es gelingt der Autorin dies eindringlich zu bekräftigen und uns die Natur nahezubringen. 

Ebenso zeigt Maja Lunde auf, was passieren wird, passieren könnte, wenn wir weiterhin so gedankenlos mit Wasser und unserer Umwelt umgehen. Doch hier kann sie mich mit den Charkteren einfach nicht abholen. Nur an der Oberfläche benennt sie Konflikte, die durch Hunger und Durst, den Verlust von Heimat und Familie und das Zusammengepferchtsein in Flüchtlingslagern, entstehen.
"Ich lief auf Caleb, Martin und Christian zu und wurde Teil dessen, was sie waren. 
In mir brodelte es. Etwas brach aus, kam an die Oberfläche. Etwas, das die ganze Zeit in mir geschwelt hatte." (Seite, 260)
Ich hatte mir viel mehr Gefühlsgewalt gewünscht und vorgestellt! Mehr Verzweiflung, mehr Kampf, eine intensivere Visualisierung dessen, was es für uns alle bedeuten wird, wenn Trinkwasser nicht mehr da ist, wenn all das Meerwasser dem Einzelnen zum Überleben nichts mehr nützt.

Auf den letzten 100 Seiten gibt die Autorin der Geschichte die Tiefe, die ich von Anfang an erwartet hatte! Sehr gelungen, aber leider viel zu spät. Ein kleiner Hoffnungsfunke fängt zu leuchten an. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich bin noch nicht sicher, ob mir das offene Ende gefällt. Die Zukunft ist ungewiss, der Mensch aber ist in der Lage sich nach dem Positiven zu orientieren und Hoffnung zuzulassen. Es ist seine Stärke, die größte Not überwinden zu wollen.    

Fazit:
Thematisch ein wichtiges Buch, dessen Potental leider nicht ausgeschöpft wurde. Die sehr guten Ansätze verpuffen in den Situationsbeschreibungen und durch den andauernden familiären Konflikt, in dem sich Signes Familie befindet und den Maja Lude sehr ausgiebig beschreibt. Dadurch weist die Geschichte viele Längen ohne Spannung auf, die mich fast das Buch haben abbrechen lassen.

Weitere Rezensionen:
+    Karminrotes Lesezimmer
+/-  Wortfiebern
-     Travel Without Moving 
 

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Ich danke dem btb Verlag sowie Bloggerportal, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.
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Kommentare:

  1. Liebe monerl,

    ach, schade!

    Ist das mit den Eiswürfeln real? O.O

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Liebe Petrissa,

      ich weiß nicht. Jedenfalls gibt es dazu keinen Kommentar. Vorstellbar ist es aber schon, dass man Gletschereis nach Dubai, Saudi oder Katar bringt, damit die Ölscheichs ihre Cocktails ganz exquisit genießen können... Die Welt, der Mensch ist etwas aus dem Ruder gelaufen, so mein Gefühl!

      GlG vom monerl

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    2. Ich mein, ich hab mal zumindest über dementsprechende Pläne gelesen (pervers :()

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    3. Das Schlimme ist Daniela, es wundert mich nicht! Ich würde das sofort glauben. Absolut pervers!

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    4. Leider gibt es diese geschäftsidee mit den Eiswürfeln und Gletscherwasser wirklich und es ist auch bei uns zu kaufen. Normalerweise sollte man so etwas vom reinen Menschenverstand her schon unterlassen, aber die Menschen sind halt wenn es um Geld geht, gewissenlos.

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  2. Wow, eine sehr gute Rezension! Ich hab das Buch noch vor mir, bin schon sehr gespannt, das Thema finde ich fast noch spannender als beim ersten Buch. Ich muss allerdings gestehen, dass mir bereits bei der Geschichte der Bienen, die Emotion fehlte. Gute Thematik, aber es berührte mich kaum, ich fand es sehr trocken vom Schreibstil. Evtl. wird das daher auch bei diesem Buch für mich einen ähnlichen Eindruck hinterlassen, wie bei dir. Liebe Grüße!

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    1. Liebe Kathrin,

      ich will dir ja keinen Angst machen, aber so wie du im Kommentar schreibst, wirst du wohl auch keien so großen Spaß am Buch haben... Wenn die Charakteren dir in Buch 1 schon nicht richtig zugesagt haben, wird das hier noch weniger der Fall sein. Zumindest ich konnte die Distanz zu ihnen wirklich nicht überwinden.
      Das Thema Wasser ist absolut wichtiger und somit auch spannender. Leider fehlt die Tiefe und die Kraft, die das Buch bräuchte, um so richtig reinzuhauen.
      Jetzt scharre ich mit den Füßen, bis du mit dem Buch fertig bist! Lass mich nicht zu lange zappeln. hahaha

      Herzliche Grüße, monerl

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    2. :) Ja, ich sag dann Bescheid, dauert aber glaub ich noch etwas:)

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    3. Kein Problem! Ich habe Zeit... ;-)

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  3. Hi monerl,
    ich hab das Buch auch schon gesehen, war aber skeptisch. Bin ich immer, wenn ein Band/Buch erfolgreich war und dann kommt etwas so ähnliches.
    Deine Rezension ist super, jetzt weiß ich, was mich erwarten würde. Und ich werd es eher dabei belassen.
    Liebe Grüße,
    Daniela

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    1. Hey Daniela,

      ja, meistens geht´s mir auch so, wie du es beschreibst. Aber ich wollte wissen, ob die Autorin noch was nachlegen kann. Ich hatte es befürchtet, wollte dem Buch aber eine echte Chance geben. Nun weiß ich, dass ich die weiteren Bände getrost auslassen kann. Vier Bücher nach dem gleichen Schema F sind mir dann doch zuviel. ;-)

      GlG, monerl

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  4. Schade, dass die Autoren bei diesen wichtigen Themen es nicht so richtig schafft, den Leser total abzuholen. Vielleicht wäre da ein Sachbuch besser gewesen.

    Liebe Grüße, Anne

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    1. Mir persönlich ging es nicht auf Sachbuchebene das Thema zu erlesen. Ich hatte ja das Debüt der Autorin gehört und es hat mir gefallen. Dort ging es um das Thema Bienen und welche Auswirkungen ihr Aussterben hätte.
      Das Thema Wasser ist noch brisanter und ich war sehr gespannt, welche Geschichte sie da drumherum spinnt. Leider ist ihr das für meinen persönlichen Geschmack nicht gelungen. Es ist sehr gut, so ein wichtiges Thema anzufassen und über die "Roman-Schiene" ein breites Publikum anzuprechen und evtl. zu sensibilisieren. Leider haperte es an der Umsetzung. Geplant sind noch zwei weitere Bücher mit einem Umweltthema. Leider gehen ihr halt nach diesem Buch einige Leser verloren. Sehr schade, da es ja um die Umwelt geht. Falls du verstehts, was ich sagen will. Bin noch nicht richtig wach... hahah

      GlG, monerl

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  5. Liebe monerl,

    das Buch über die Bienen hat mir super gut gefallen und da die meisten Folgebücher dann meistens nicht meinen Ansprüchen genügen, habe ich dieses Buch noch nicht gelesen.
    Deine Kritik kann ich gut nachvollziehen.

    Liebe Grüße und danke für die Rezi,
    Barbara

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